Future Interaction

Wir sind umgeben von Wandel. Wir bedienen heute Smartphones, Maschinen, Regelsysteme per Touchscreen oder über Sprache und Gesten. Wir begeben uns über Virtual und Augmented Reality in eine dreidimensionale Parallelwirklichkeit und vernetzen Produkte digital über das Internet der Dinge. Technologisch kennen wir heute keine Grenzen mehr. Aber für eine menschliche Interaktion müssen wir diese Technologie sinnvoll einsetzen. Die Überlegungen dazu beginnen im Design neuartiger Produkte, womit wir als Designer mehr und mehr Zukunftsgestalter werden.

Irgendwann war es einmal ausreichend für den Erfolg, eine schöne Hülle zu gestalten. Die Technik war überschaubar, der Wettbewerb konzentrierte sich auf die äußere Erscheinung. Diese Zeit geht vorbei. Mit den Möglichkeiten steigt die Komplexität an verfügbarer Technologie für ein Produkt derart, dass die „inneren Werte“ immer mehr ins Rampenlicht des Designs rücken. Heute und in Zukunft designen wir nicht mehr einzelne Produkte, sondern gestalten ganze Systeme. Und diese sind wiederum in ein einziges System integriert, das da heißt „unser Leben“. Dadurch verändert sich unsere Aufgabe als Designer: Wir gestalten das Leben der Menschen.

VR-Projekt von Yijian Lan zeigt, wie die zukünftige Navigation am Flughafen aussehen könnte.

Mit der Technologie sind wir auf dem Weg zu einer Verschmelzung der digitalen und physischen Welt – physical goes digital, digital goes physical. Nicht nur wird es möglich, die reale physische Welt um digitale Möglichkeiten zu ergänzen. Umgekehrt ergänzen physische, smarte Dinge das Digitale und ermöglichen so eine natürliche, bekannte Interaktion mit digitalen Produkten.

Unser Leben findet zunehmend in einer intelligenten Umgebung statt. Alles ist miteinander verbunden und smarte Produkte lernen unsere Gewohnheiten kennen und stellen sich darauf ein. Das nächste Level an Interaktion ist dann die, die wir erst gar nicht bemerken. Denn das User Interface verschwindet in unserer Umgebung – nahtlos integriert in unser tägliches Leben. So ein natürlicher Umgang mit unseren Dingen des Alltags ist bereits die Interaktion!

Durch Fortschritte in Big Data und künstlicher Intelligenz wird ein weiterer Trend immer realer: die soziale Interaktion mit Robotern, Chat Bots & Co. Lernende Systeme entwickeln eine Geschichte der Interaktion mit uns Menschen und verstehen immer besser wer wir sind und was wir wollen, sie berücksichtigen unsere Wünsche und Bedürfnisse, sehen sie gar vorher. Wir führen einen sozialen Dialog mit den Dingen, die uns umgeben. Mit der Skepsis gegenüber dieser Entwicklung rückt das emotionale Design in den Vordergrund, um Hemmungen ab- und Vertrauen aufzubauen. Wir wollen, dass unser Herz angesprochen wird und wir wollen spielerisch interagieren – so natürlich wie möglich.
                                                                                                                                               Care-o-bot4 auf der MCBW 2017 (Foto: Magerstaedt).

Für Futuristen ist „Autonomie“ zu einem Buzz-Wort geworden. Der Trend zu autonomen Dingen ist in der Automobilbranche allgegenwärtig, aber auch Drohnen, Roboter und Produktionsstraßen laufen teilweise schon selbstbestimmt. Zu unserem Komfort laufen viele Dinge im Hintergrund ganz von alleine ab, manches wird in Zukunft vollständig autonom passieren, ganz ohne unser Zutun. Die Welt wird für uns bequemer, aber wir geben auch immer mehr Kontrolle ab. Wir verlassen uns auf Services, die uns das Leben vereinfachen und Arbeit abnehmen. Das klingt verlockend, erfordert aber auch viel Vertrauen, das sich im Design widerspiegeln muss.

Technologie und Design werden mit Open Source und Open Data für die breite Masse zugänglich. Modulare Baukästen und öffentlich verfügbare Anleitungen ermöglichen es theoretisch jedem, sein eigenes Produkt hochgradig personalisiert und individualisiert zu „basteln“ – und selbst „Designer“ zu sein.

Wo sehen wir als Designer inmitten der Trends im Interaktionsbereich unsere Rolle? In der Moral. Es ist die Verantwortung für die Dinge, die wir in die Welt setzen. Es ist ein Design, das den Menschen die Kontrolle in einer undurchsichtigen Umgebung bewahrt. Es ist die integrierte Gestaltung, passend zum Kontext, den Menschen und ihren Aktivitäten. Und bei all den Zukunftsvisionen stellen wir uns die Frage: Können wir überhaupt noch ein nicht-vernetztes Leben führen?

Team
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Interaction Design

Ihre Gedanken über die Zukunft.

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Seit 1987 gestaltet Phoenix Design Interaktion: zwischen Produkt und Nutzer, zwischen Marke und Konsument, zwischen Designern und Auftraggebern.
In diesem Blog erzählen wir regelmäßig über die letzten 30 Jahre, die Gegenwart und die Zukunft bei Phoenix Design.

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