Der Wert von Designpreisen

Award Winning Company 750+. In 30 Jahren sammelt sich so einiges an – Erfahrungen, Erinnerungen, Auszeichnungen. Bei unseren ersten Designpreisen 1989 für Produkte von hansgrohe waren wir einfach nur stolz, dass wir es geschafft hatten. Da wussten wir: unsere Arbeit wird verstanden. Dann kam der nächste und der nächste… und dann kommt mit dem Erfolg auch der Anspruch an sich selbst, das hohe Niveau zu halten. Eine Aufgabe, die mindestens genauso schwierig ist. Trotzdem können wir seit Jahren den ersten Platz im iF Ranking Creative der unabhängigen Designstudios halten. Mittlerweile sind es sage und schreibe 763 gewonnene Awards für Phoenix Design – davon mehr als 500 in den letzten 6 Jahren.

Aber so viele Awards kommen nicht von alleine. Neben einem außergewöhnlichen Design sind es vor allem unsere Kunden, die den Wert solcher Auszeichnungen kennen und fördern. Das ist nicht zuletzt deren hohem Designverständnis zu verdanken. Denn es gehört schließlich auch Mut dazu, sich der hochkarätigen internationalen Jury zu stellen und ein Produkt bewerten zu lassen. Wenn wir Designer von unseren gestalteten Produkten reden, klingt das schnell nach Werbung. Deshalb ist es für uns wichtig, einer neutralen Institution die Beurteilung zu überlassen. Vor allem die Organisatoren hinter dem iF Design Award, dem German Design Award und dem Red Dot Design Award leisten großartige Arbeit, um höchste Designstandards in die Welt zu tragen. Und mit dem Focus Open schafft es auch das Land Baden-Württemberg mit den Big Playern mitzuhalten.


Andreas Haug, Phoenix Design; Roland Heiler, Porsche Design; Andrej Kupetz, German Design Council, Tom Schönherr, Phoenix Design; Prof. Dr. Dr. Dr. Werner Sobek, Werner Sobek Group (v.l.n.r.).

Auch die Aufmerksamkeit für die Awards hat sich in den letzten Jahren gewandelt. War ein Preis früher „nice-to-have“, so erreicht man heute weltweite Bekanntheit und kann sich am Markt gegenüber Konkurrenzprodukten abheben. Neben Wanderausstellungen und Katalogen publizieren die Wettbewerbsveranstalter durch Webpages, Social Media, Presseaktivitäten und glamouröse Preisverleihungen die Gewinner. Designpreise sind heute ein wichtiger Faktor im Marketing-Mix und wirken auch positiv nach innen in die Entwicklungsabteilung der Unternehmen. Dies gilt gleichermaßen für die Attraktivität von Designstudios.

Wir schätzen deshalb jede Auszeichnung, denn wir wissen um deren Bedeutung. Aber nach über 750 Awards stellt sich die Frage, welche in Erinnerung bleiben. Weil wir mit ihnen einen besonderen Moment, eine aufregende Phase oder schon mal mühevolle Arbeit verbinden.

Speziell denke ich da an Care-O-bot 4. Gemeinsam mit dem Fraunhofer IPA in Stuttgart erhielten wir für den Serviceroboter den reddot Product Award: Best of the best in 2015. Obwohl Robotik ein absolutes Trendthema ist, gibt es noch kaum Gestaltungsansätze für den Einsatz im Dienstleistungsumfeld. Das Design für den Serviceroboter war also mehr die Schaffung eines neuen Archetyps, der als Forschungsplattform dient – realisiert ohne eine Vielzahl an Vorbildern zur Ideenfindung. Ein Stück harte Pionierarbeit, die zum Schluss mit dem Bestpreis gewürdigt wurde. Das freute uns dann natürlich umso mehr. Heute heißt dieser Roboter „Paul“ und unterstützt die Kunden bei der Warensuche von SATURN in Ingolstadt.

1998, nur elf Jahre nach der Gründung von Phoenix Design, wurden wir erstmals mit einem Persönlichkeitspreis für unser Lebenswerk ausgezeichnet – dem Lucky Strike Designer Award. Das war damals ein erfreulich-seltsames Gefühl! Es wurde eine vergleichsweise kurze Epoche unseres Lebens bewertet und man fragt sich „was soll jetzt noch kommen?“. Aber vor allem ist es eine große Ehre und Bestätigung, dass man über Jahre einen guten Job gemacht hat. Und dieses Glücksgefühl überwiegt. Die Berliner Zeitung lobte damals die Raymond-Loewy-Stiftung „Design zu fördern, indem man es aus der Anonymität herausholt.“ Mit gerade 15 Mitarbeitern waren wir damals noch nicht so bekannt wie heute, erst recht nicht neben Legenden wie Karl Lagerfeld oder Peter Lindbergh. Aber genau darin liegt die Besonderheit dieser Auszeichnung. Und 2012 folgte dann sogar der German Design Award ,Persönlichkeit’!

Meines Erachtens geht es bei einem prämierten Produkt erstmal um die gestalterische Gesamterscheinung. Was ist die Innovation? Wichtig ist, ob das Design und seine einzelnen Komponenten harmonisch zusammenfinden. Vom ersten Eindruck – der natürlich wie so oft auch zählt – geht eine bestimmte Erwartungshaltung aus. Und doch kann ein Produkt spontan auf seine ganz eigene Art und Weise überraschen, sei es eine unerwartete Variabilität oder wegen seiner nachhaltigen Aspekte. In jedem Fall muss es selbsterklärend sein: funktioniert es letztlich für den Anwender? Physisch und digital? Ja? Wenn dann noch eine emotionale Botschaft transportiert wird, können große Erfolge gefeiert werden – über Jahrzehnte.

Andreas Haug
Andreas Haug

Founder, Managing Partner

1987 gründete Andreas Haug gemeinsam mit Tom Schönherr das Designstudio Phoenix Design in Stuttgart. Nach dem Designstudium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart war Andreas Haug Gründer und Mitinhaber von frogdesign, von 1984 bis 1987 als Design Consultant und Vice-President. Phoenix Design wurde weltweit zu einer der ersten Adressen für Produkt- und Interaction Design.